{"id":10579,"date":"2024-06-03T17:46:10","date_gmt":"2024-06-03T17:46:10","guid":{"rendered":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/?page_id=10579"},"modified":"2024-06-03T17:46:31","modified_gmt":"2024-06-03T17:46:31","slug":"10579-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/biografie\/10579-2\/","title":{"rendered":"Interview: Christiane Wolff"},"content":{"rendered":"<p><strong>INTERVIEW<\/strong> <br \/>\nmit der Regisseurin Christiane Wolff zu der Inszenierung von<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Woody Allens \u201eEine Mittsommernachts-Sex-Kom\u00f6die\u201c (2013)<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>Der Titel \u201eEine Mittsommernachts-Sex-Kom\u00f6die\u201c klingt ein wenig platt, weckt vielleicht sogar bestimmte Erwartungen bei einem Publikum, das nicht mit Woody Allens Humor vertraut ist. Hat Dich das bei der St\u00fcckauswahl gest\u00f6rt?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p>Christiane Wolff: Im Gegenteil. Der Titel des St\u00fcckes besteht aus vier sch\u00f6nen Begriffen: Sommer, Nacht, Sex und Kom\u00f6die. Die Verbindung aller vier weckt einfach freudige Erwartungen in Beziehung zu einem lauen Sommerabend in unserem Theatergarten und ich glaube, diese Erwartungen sind durch unsere Inszenierung auf eine feine Weise erf\u00fcllt worden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>Woody Allens Filmvorlage war kein gro\u00dfer Publikumserfolg und kam auch bei der Kritik nicht besonders gut weg. Im Theater wird das St\u00fcck eher selten gespielt. Aber Du hast immer wieder betont, dass sich die Textvorlage viel besser f\u00fcr ein Theaterst\u00fcck als f\u00fcr einen Film eignet. Warum eigentlich?<\/em><\/span><\/p>\n<p>Christiane Wolff:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Woody Allen hat den Stoff um die Jahrhundertwende angesiedelt und auch so verfilmt. Obwohl die Dialoge sehr reich an Pointen sind, bemerkt man das im Film kaum. Ich glaube, dass es sowohl den Beziehungen als auch den Dialogen gut tut, sie nicht in dieser verstaubten Zeit zu belassen. Au\u00dferdem gibt es im Film viele Ortswechsel, die nichts erz\u00e4hlen und oft laufen die gro\u00dfartigen Filmschauspieler nur ewig lang durch die Landschaft und reden. Man ist auf der B\u00fchne gezwungen, den Text durch wesentlich st\u00e4rkere Handlungen und Bilder umzusetzen und das tut den Dialogen meist sehr gut. Und ich muss zugeben, dass ich die Komik der Dialoge oft durch lokale Bez\u00fcge oder einfach stimmigere \u00dcbersetzungen mehr auf den Punkt gebracht habe. Deswegen hat das Publikum in den Vorstellungen von \u201eMittsommernachts-Sex-Kom\u00f6die\u201c einfach gern gelacht.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>Kam der Inszenierung entgegen, dass der gr\u00f6\u00dfte Teil der Handlung in einem<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Garten und damit unter freiem Himmel spielt? Entsteht so nicht ein \u00fcberm\u00e4chtiger Realismus?<\/em><\/span><\/p>\n<p>Christiane Wolff: Ich habe keine Angst vor Realismus. Ein St\u00fcck, das in einem Garten spielt, in einem Garten zu spielen, finde ich sehr passend. Es kommen auch wieder andere Stoffe.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #993300;\">Die Handlung des St\u00fcckes bietet eigentlich genau das, was man erwartet. Alle gehen verbal aufeinander los, w\u00e4hrend sich alte Beziehungen aufl\u00f6sen und neue Aff\u00e4ren anbahnen. Trotzdem ist es Dir gelungen, zwischen den Zeilen auch kritische und nachdenkliche T\u00f6ne \u00fcber Gesellschaft, Moral oder Beziehungen zu treffen. In welchem Ma\u00df kann man in einer Kom\u00f6die \u00fcberhaupt kritisch sein?<\/span><\/em><\/p>\n<p>Christiane Wolff: Mir war schon beim Studium der Textvorlage klar, dass der Humor und die Poesie teilweise feiner sind, als es in meinen fr\u00fcheren Kom\u00f6dien schon der Fall war. Die Dialogf\u00fchrung in diesem Stoff von Allen lebt von subtiler und psychologischer Komik bis hin zur deftigen Pointe und hat eine ganz andere Energie als ein Moli\u00e8re oder Shakespeare. Ich habe mich von Anfang an darauf gefreut, diese Texte zu inszenieren, dass mir kritische T\u00f6ne gelungen sind, war mir gar nicht bewusst. Ich glaube, in jeder Kom\u00f6die kann man sehr gut nachdenkliche und feine Momente inszenieren, wenn man die Schw\u00e4chen der Figuren so liebevoll erz\u00e4hlt, dass die Zuschauer sich nicht auf die Schenkel schlagen, sondern etwas stiller in sich hinein schmunzeln, weil sie sich selbst in dieser Schw\u00e4che erkennen, aber liebevoll behandelt sehen. Dann ist das Nachdenken \u00fcber eigene Schw\u00e4chen m\u00f6glich.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #993300;\">Ich erinnere mich an die Premiere. Kurz vor Auff\u00fchrungsbeginn war die Zuschauertrib\u00fchne mit regenfest gekleideten Besuchern gut gef\u00fcllt und es begann pl\u00f6tzlich zu regnen. Doch das Ensemble wollte unbedingt spielen. Also begann die Auff\u00fchrung im str\u00f6menden Regen, der gl\u00fccklicherweise nach ca. 15 Minuten entgegen allen Wettervorhersagen aufh\u00f6rte. Welche Gedanken schwirren einem in diesen 15 Minuten im Kopf herum?<\/span><\/em><\/p>\n<p>Christiane Wolff: Ich dachte, wir m\u00fcssten die Premiere sicher nach einer knappen Stunde abbrechen, weil Schauspieler und Zuschauer v\u00f6llig durchn\u00e4sst sind. Dann h\u00e4tten alle Zuschauer und auch die Presse das St\u00fcck nur zur H\u00e4lfte gesehen. Also bin ich ziemlich durchgedreht, denn der Teil nach der Pause bringt die Geschichte erst auf den Punkt und ist dadurch temporeicher und lustiger als der Anfang. Wenn mein Kollege Peter Kratz mir nicht st\u00e4ndig versichert h\u00e4tte, dass es aufh\u00f6ren w\u00fcrde zu regen, h\u00e4tte ich wahrscheinlich die Geduld verloren und die Premiere verschoben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #993300;\">In deinen bisherigen Inszenierungen musstest Du oft mit Doppelbesetzungen arbeiten. Ein einziger Schauspieler spielt gleich mehrere Rollen. Das hat in vielen deiner Inszenierungen ganz hervorragend funktioniert und das Publikum war stets begeistert von der Wandlungsf\u00e4higkeit des Ensembles. In \u201eEine Mittsommernachts-Sex-Kom\u00f6die\u201c spielte jeder der sechs Schauspieler nur eine Rolle. Welche Auswirkungen hatte dies auf die Inszenierung? Entstanden neue Impulse f\u00fcr die Rollenarbeit?<\/span><\/em><\/p>\n<p>Christiane Wolff: Wenn man mit Doppelbesetzungen arbeitet, ist die Anforderung an den Schauspieler immer eine sehr kom\u00f6diantische. Spielt jeder nur eine Rolle, kann man eben etwas psychologischer arbeiten, denn ein Schauspieler muss sich nicht so bem\u00fchen, darstellerische Mittel zu finden, die seine pers\u00f6nliche Energie so weit wie m\u00f6glich ver\u00e4ndern. In dieser Inszenierung hatte ich wirklich sechs verschiedene Energien auf der B\u00fchne und das hatte ich mir schon lange mal gew\u00fcnscht. Ich freue mich, dass wir so viel Erfolg hatten und somit nicht finanziell auf die Nase gefallen sind.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #993300;\">Nun liegt von der Premiere bis zur letzten Vorstellung eine erfolgreiche Auff\u00fchrungsreihe mit mehr als 4.000 Zuschauern hinter Dir. Wie hat sich die Inszenierung in dieser Zeit weiterentwickelt?<\/span><\/em><\/p>\n<p>Christiane Wolff: Super. Das Ensemble musste ja w\u00e4hrend der zweiten H\u00e4lfte der Probenzeit an sechs Tagen in der Woche Kindertheater spielen und alle waren am Ende der Proben schon ganz sch\u00f6n ausgepowert. In den Vorstellungen haben wir durch t\u00e4gliche Abendregie die Qualit\u00e4t der ganzen Inszenierung stetig verbessert und ich freue mich jetzt noch, dass alle Schauspieler diese Kritik gern angenommen und super umgesetzt haben. Es war einfach eine prima Truppe.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #993300;\">Gibt es eine Auff\u00fchrung, die Dir ganz besonders in Erinnerung bleibt? Eine Lieblingsszene?<\/span><\/em><\/p>\n<p>Christiane Wolff: Es gibt einige Szenen, die ich besonders gern mochte. Die Szenen, die auf dem Dach vom Haus spielten, oder den ganzen zweiten Teil.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #993300;\">In den letzten Jahren hast Du vor allem Kom\u00f6dien inszeniert. Ist das eine Vorliebe von Dir?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p>Christiane Wolff: Ja, ich mag es, wenn die Zuschauer \u00fcber menschliche Schw\u00e4chen lachen. Das \u00f6ffnet, schafft Leichtigkeit und Zuneigung zu sich selbst und den anderen Menschen. Und was ist denn wichtiger im Leben?<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>In der Inszenierung sp\u00fcrt man eine gro\u00dfe Spielfreude und einen Ensemblegeist, der eigentlich in so kurzer Zeit nur sehr schwer herzustellen ist. Glaubst du, dass dies in einer Kom\u00f6die leichter erreicht werden kann als bei einer Trag\u00f6die oder einem ernsten Drama?<\/em><\/span><\/p>\n<p>Christiane Wolff: Nein, das glaube ich nicht. Spielfreude oder Ensemblegeist sind mir als Ausdrucksmittel sehr wertvoll und ich glaube inzwischen zu wissen, wie ich auch Schauspieler, die sich noch nicht kennen, oder sehr verschieden sind, dahin f\u00fchre, dass sie beides entdecken und erleben k\u00f6nnen. Das ist meiner Ansicht nach nicht abh\u00e4ngig vom Stoff, sondern davon, wie bewusst man als Regie f\u00e4hig ist, das zu suchen, was einem wertvoll ist.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #993300;\">Mit etwas Abstand zur\u00fcckgeblickt: Was waren die St\u00e4rken deines Ensembles 2013?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p>Christiane Wolff: Seine Verschiedenheit.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>Noch weitere dankende Worte?<\/em><\/span><\/p>\n<p>Christiane Wolff: Vielen Dank f\u00fcr die guten Fragen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INTERVIEW mit der Regisseurin Christiane Wolff zu der Inszenierung von\u00a0Woody Allens \u201eEine Mittsommernachts-Sex-Kom\u00f6die\u201c (2013) Der Titel \u201eEine Mittsommernachts-Sex-Kom\u00f6die\u201c klingt ein&#8230; <span class=\"read-more\"><a href=\"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/biografie\/10579-2\/\" class=\"button button-darkgray small\"> Continue Reading &rarr; <\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":76,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10579"}],"collection":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10579"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10579\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10581,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10579\/revisions\/10581"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/76"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10579"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}