{"id":11170,"date":"2024-06-04T15:57:45","date_gmt":"2024-06-04T15:57:45","guid":{"rendered":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/?page_id=11170"},"modified":"2024-06-19T15:19:00","modified_gmt":"2024-06-19T15:19:00","slug":"25-jahre-ths-interview-kratz-wolff","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/25-jahre-ths-interview-kratz-wolff\/","title":{"rendered":"25 Jahre ThS &#8211; Interview Kratz\/Wolff"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"font-size: 18pt;\">INTERVIEW<br \/>\n<\/span><\/strong>Die Journalisten Peter-Maier Stein und Arnim Bauer von der Ludwigsburger Kreiszeitung im Gespr\u00e4ch mit den beiden k\u00fcnstlerischen Leitern und Regisseuren des Theatersommers Christiane Wolff und Peter Kratz<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>Nach dem Ende einer wieder ereignisreichen Spielzeit, wie f\u00fchlt sich die Theaterleitung?<br \/>\n<\/em><\/span>Christiane Wolff: Zun\u00e4chst einmal einfach ersch\u00f6pft. So viele Vorstellungen wie dieses Jahr gab es noch nie. Ich habe Mitte M\u00e4rz angefangen zu proben, noch mit M\u00fctzen und Winterm\u00e4nteln. Und danach ging es t\u00e4glich und pausenlos weiter bis zu dem Problem, dass die Hauptdarstellerin in \u201eHarold and Maude\u201c kurzfristig ausgefallen ist und wir mit Johanna Hanke, die drei Wochen vor der Premiere eingesprungen ist und die ihre Sache sehr gut gemacht hat, noch zus\u00e4tzlich proben mussten.<\/p>\n<p>Peter Kratz:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Wir wussten, dass es anstrengend wird, zumal wir uns zum Jubil\u00e4um viel vorgenommen hatten. 115 Vorstellungen waren angesetzt, davon mussten nur 15 wetterbedingt ausfallen. Alles lief gut, genauso wie wir es uns gew\u00fcnscht hatten. Und wir haben wieder \u00fcber 16 500 Zuschauer erreicht. Das ist das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>War das 25-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um f\u00fcr Sie eine besondere Motivation, mehr oder etwas Besonderes zu machen?<\/em><\/span><br \/>\nPeter Kratz: <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Nat\u00fcrlich wollten wir zum Jubil\u00e4um etwas Besonderes machen. Wir wollten ein Vierteljahrhundert Theatersommer dokumentieren, wir wollten die Entwicklung unseres Theaters greifbar machen, wir wollten die ganz verschiedenen Stilrichtungen von Theater aufzeigen, die wir hier im Laufe der Jahre gespielt haben. All das haben wir in unserem digitalen Archiv und durch den vielschichtigen Spielplan der Jubil\u00e4umsspielzeit dokumentiert.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>War der umfangreiche Spielplan der neue Standard oder ein einmaliger Jubil\u00e4umsevent?<\/em><\/span><br \/>\nPeter Kratz:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Eindeutig ein einmaliger Jubil\u00e4umsevent! Kein k\u00fcnftiger Standard. Wir waren ja schon in den letzten Jahren mit f\u00fcnf Produktionen \u00fcber dem Limit. Ich denke vier Produktionen sind das Ma\u00df, das der Theatergarten vertr\u00e4gt. Vier Produktionen stehen auch in einem guten Verh\u00e4ltnis zu den F\u00f6rdergeldern, die wir bekommen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>Hat sich der Aufwand unterm Strich gelohnt?<\/em><\/span><br \/>\nChristiane Wolff:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Auf jeden Fall! Es ist ja beim Theater immer so, dass man mitten drin steckt und denkt, man \u00fcberlebt das nicht, man schl\u00e4ft keine Nacht mehr. Und doch, am Ende steht nicht die Erleichterung, dass alles vorbei ist, sondern die Freude \u00fcber die sch\u00f6ne Zeit, diese intensiven drei Monate Spielzeit. So denken auch die Schauspieler, ich habe schon seit Jahren kein so positives Fazit von den Mitwirkenden bekommen. Sie sagen alle, es war eine wundersch\u00f6ne Zeit, obwohl sie schwer schuften mussten.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>Die zum Teil gnadelose Hitze dieses Sommers, was macht die mit einer Freilichtb\u00fchne?<\/em><\/span><br \/>\nChristiane Wolff: Gerade das Team, das Ronja und die Sommer-Nachts-Tr\u00e4ume machte, hat in dieser besonders hei\u00dfen Zeit gespielt, oft nachmittags Ronja und abends eben Shakespeare. Beide St\u00fccke erfordern hohen k\u00f6rperlichen Einsatz, so dass die Schauspieler jedes Mal durchgeschwitzt waren, als habe man sie ins Wasser geworfen. Und trotz alledem: Es war f\u00fcr alle eine unglaublich sch\u00f6ne Zeit.<\/p>\n<p>Peter Kratz:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Auch wirtschaftlich war die Spielzeit ein Erfolg. Wir werden also wieder einen au\u00dferordentlich hohen Eigenfinanzierungsanteil erreichen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Nun sind es schon das vierte Jahr in Folge \u00fcber 16 000 Besucher \u2013 und dieses Jahr dazu noch mit einen Spielplan, der sich deutlich von anderen Freilichttheatern unterschied. Das macht mich auch ein bisschen stolz, denn welches Freilichttheater spielt schon Beckett oder Marlen Haushofer oder einen zeitgen\u00f6ssischen Autor wie John von D\u00fcffel?<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>Wie stark sind Sie mit St\u00fccken von Gegenwartsautoren oder mit dem absurden Theater von Beckett ins Risiko gegangen?<\/em><\/span><br \/>\nPeter Kratz: <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Ich habe vorher viele Menschen gefragt, ob sie John von D\u00fcffel kennen und den kannten nicht viele, obwohl er zahlreiche B\u00fccher und Theaterst\u00fccke geschrieben hat. Und so hat das St\u00fcck dann schon vier Wochen gebraucht, um die guten Zuschauerzahlen zu erreichen, die wir am Ende vor allem dank der beiden letzten Wochen durch die Mund zu Mund-Werbung erreichen konnten. Am Ende waren es ca. 2250 Zuschauer in 17 Vorstellungen und das ist f\u00fcr ein zeitgen\u00f6ssisches St\u00fcck sehr ordentlich.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>Wie kamen Sie auf dieses St\u00fcck?<\/em><\/span><br \/>\nPeter Kratz:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Die Urauff\u00fchrung war 2014 und ich hatte es gleich nach seinem Erscheinen gelesen. Schon beim ersten Lesen sprach mich das Thema an. Au\u00dferdem passte es gut zum Jubil\u00e4um, weil sich die Handlung \u00fcber eine lange Zeitperiode erstreckt. Vor allem aber spiegelt es Aspekte meiner pers\u00f6nlichen Entwicklung wieder. Gerade die Frage, was aus den Idealen meiner Generation geworden ist und wie sich die Lebensentw\u00fcrfe seit den Siebzigern entwickelten waren ein spannendes Thema.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>Und wie war es beim Ein-Personen-St\u00fcck \u201eDie Wand\u201c?<\/em><\/span><br \/>\nChristiane Wolff:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Der Roman umfasst ja mehr als 300 Seiten, ich fand die Geschichte spannend und fand es auch interessant, diesen Stoff zu einem St\u00fcck umzuschreiben. Einen Monolog hatten wir hier noch nie, ich bekam die Rechte vom Verlag und fand mit Renate Winkler eine Schauspielerin, mit der ich das gerne machen wollte. Dann stellte sich auch die Frage, ob und wie wir das auf unserer kleineren B\u00fchne mit dem zum Teil festen B\u00fchnenbild von Ronja verbinden k\u00f6nnen, was aber hervorragend funktioniert hat.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #993300;\">Wie hat das Publikum auf diese besonderen St\u00fccke reagiert?<\/span><\/em><br \/>\nPeter Kratz:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Gut! Man kann nat\u00fcrlich sagen, dass \u201eSommernachtstr\u00e4ume\u201c oder auch \u201eHarold and Maude\u201c die h\u00f6heren Zuschauerzahlen hatten. Insofern haben diese Erfolgsproduktionen auch die au\u00dfergew\u00f6hnlichen St\u00fccke mitgetragen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Au\u00dferdem vertrauten wir auf unser Stammpublikum und das breite Altersspektrum unserer Zuschauer. Trotz der hohen Zuschauerzahlen waren auch dieses Jahr wieder viele da, die erz\u00e4hlten, dass sie zum ersten Mal im Theatergarten sind. Und wir erleben immer wieder, dass Zuschauer ihre Bekannten und Verwandten mitbringen und ihnen diese Theaterst\u00e4tte als etwas ganz Besonderes pr\u00e4sentieren. Die Teilhabe der Bev\u00f6lkerung ist also ausgesprochen ausgepr\u00e4gt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Christiane Wolff: Bei \u201eDie Wand\u201c haben wir erlebt, dass die Leute bei den ersten beiden Vorstellungen trotz des Regens ausharrten. Renate Winkler hat das St\u00fcck v\u00f6llig durchn\u00e4sst zu Ende gespielt und die Zuschauer sind im Regen sitzen geblieben, so gebannt waren sie.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>Was waren f\u00fcr Sie die H\u00f6hepunkte der Spielzeit?<\/em><\/span><br \/>\nPeter Kratz: F\u00fcr mich gab es zwei Highlights. Das war zum einen die Begegnung mit John von D\u00fcffel, mit dem ich sehr viele interessante Gespr\u00e4che \u00fcber die Inszenierung von \u201eAlle 16 Jahre im Sommer\u201c gef\u00fchrt habe.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Mein zweites Highlight war das Konzert mit John King. Allein die Proben &#8211; drei Tage lang mit einer eigens zusammengestellten Band. Viele Regisseure w\u00e4ren ja gern Rockstars geworden und ich geh\u00f6re wohl auch ein wenig dazu. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Christiane Wolff:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Mein Highlight war es, mit einem unglaublich guten und harmonischen Ensemble die \u201eSommernachtstr\u00e4ume\u201c einzustudieren. Die Schauspieler waren sehr motiviert, obwohl sie sehr viel proben und spielen mussten. Mein zweites Highlight war die letzte Vorstellung der \u201eWand\u201c, als das Licht ausfiel und Renate Winkler auf Wunsch des Publikums das St\u00fcck quasi im Dunkeln zu Ende spielte. Zwei Leute fragten sogar, ob der Lichtausfall mit Absicht eingebaut war.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>Gibt es auch schon erste Beurteilungen aus dieser Saison heraus mit Blick in die Zukunft?<\/em><\/span><br \/>\nPeter Kratz: Wenn wir es schaffen, jedes Jahr ein experimentelles St\u00fcck wie \u201eDie Wand\u201c oder \u201eGarten von Godot\u201c zu zeigen, w\u00e4re das toll. Wir haben ja jetzt als dritte Spielst\u00e4tte noch die neue Rondell-B\u00fchne. Das h\u00e4ngt aber auch davon ab, ob wir f\u00fcr solche Projekte eine Sonderf\u00f6rderung bekommen. Denn auch ein immer ausverkauftes St\u00fcck wie \u201eDie Wand\u201c erreicht nur ca. 800 Zuschauer. Wir brauchen deshalb immer St\u00fccke, die ein gr\u00f6\u00dferes Publikum ansprechen, um Experimente wagen zu k\u00f6nnen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><em>Gibt es schon \u00dcberlegungen zu dem, was im kommenden Jahr passieren wird? Die meisten anderen k\u00f6nnen jetzt schon die Spielpl\u00e4ne f\u00fcr die n\u00e4chste Spielzeit herausbringen, ist das kein Vorteil?<\/em><\/span><br \/>\nChristiane Wolff: Wir entscheiden erst um Weihnachten herum, welche St\u00fccke und Stoffe wir uns vornehmen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Peter Kratz: Wir schauen in Ruhe, was die anderen machen und vor allem brauchen wir Abstand zur intensiven Spielzeit. Und dann nehmen wir uns die Freiheit, das relativ sp\u00e4t zu entscheiden. Unser Prinzip hat sich im Nachhinein betrachtet immer bew\u00e4hrt. Wir k\u00f6nnen dadurch auf neue St\u00fccke zugreifen, die erst im Winter auf den Markt kommen, wenn die anderen Theater ihre Spielpl\u00e4ne schon fertig haben. Auf diese Weise gelingt es uns schon mal, Erstauff\u00fchrungen wie z.B. die B\u00fchnenadaption von \u201eFr\u00fchst\u00fcck bei Tiffany\u201c nach Ludwigsburg zu holen. Am wichtigsten ist jedoch, dass man durch den Abstand besser auf das reagieren kann, was die Menschen aktuell bewegt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INTERVIEW Die Journalisten Peter-Maier Stein und Arnim Bauer von der Ludwigsburger Kreiszeitung im Gespr\u00e4ch mit den beiden k\u00fcnstlerischen Leitern und&#8230; <span class=\"read-more\"><a href=\"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/25-jahre-ths-interview-kratz-wolff\/\" class=\"button button-darkgray small\"> Continue Reading &rarr; <\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/11170"}],"collection":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11170"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/11170\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11171,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/11170\/revisions\/11171"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11170"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}