{"id":11174,"date":"2024-06-04T16:02:24","date_gmt":"2024-06-04T16:02:24","guid":{"rendered":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/?page_id=11174"},"modified":"2024-06-04T17:00:09","modified_gmt":"2024-06-04T17:00:09","slug":"11174-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/11174-2\/","title":{"rendered":"ALLER ANFANG UND \u2026KEIN ENDE"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Vom Garten zum Theater<\/span><span class=\"Apple-converted-space\"><span style=\"font-size: 14pt;\">\u00a0<\/span><br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: 18pt;\"><strong>ALLER ANFANG UND \u2026KEIN ENDE<br \/>\n<\/strong><\/span><span style=\"font-size: 10pt;\">von Christiane Wolff<\/span><\/p>\n<p>\nEigentlich schlummerte das Theater schon im Garten, das wusste damals der Garten selbst noch nicht. Im Scala hat es dann seinen Anfang genommen. Peter Kratz war schon da. \u201eKennen Sie mich?\u201c hie\u00df seine witzige und unglaublich fantasievolle Show, mit der er im Scala damals die Sparte Theater vertrat. Nach dem Scala-Gastspiel einer Inszenierung von Christiane Wolff brachte Thomas Rothacker die beiden Theaterleute zusammen, mit der Idee, einmal etwas ganz Au\u00dfergew\u00f6hnliches f\u00fcr das Scala zu machen. Von diesem Zeitpunkt an entstand ein \u201eWir\u201c. Etwas Besonderes wollten wir schaffen, etwas noch nie Dagewesenes \u2013 aber das gab es in der Theaterlandschaft auch damals schon nicht mehr. Und so suchten wir drei nach der z\u00fcndenden Idee. V\u00f6llig fasziniert von dem Gel\u00e4nde der alten Cluss-Brauerei, stiegen wir in den alten Fabrikr\u00e4umen umher, \u00fcber verrostete Maschinen, durch Sch\u00e4chte, die einzust\u00fcrzen drohten, \u00fcber Decken, in denen L\u00f6cher klafften wie Gletscherspalten. Wir waren auf der Suche nach dem besonderen Ort, der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Atmosph\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>HIER SOLLTE DAS THEATERWUNDER STATTFINDEN<br \/>\n<\/strong>Es war Sommer und der alte Garten der Familie Cluss wartete nur darauf, entdeckt zu werden. Ein marodes, aber schweres Holztor verschloss nur scheinbar das unbeachtete Geheimnis vor dem schon damals existierenden Biergarten. Ein Teil dieses Tors hat sp\u00e4ter noch bestimmt zehn Jahre den Backstage-Bereich im Theatergarten vom Zuschauerweg abgetrennt und stand noch letztes Jahr in der Rolle des \u201eTors zur Stierweide\u201c auf der Kindertheater-B\u00fchne \u2013 aber jetzt hing das Tor etwas wackelig in den Angeln und wartete darauf, ge\u00f6ffnet zu werden. Also traten wir drei in eine vergessene Gartenwelt \u2013 mitten in der Stadt. Verwunschen und still war es damals und unglaublich verwildert. Einen Weg gab es nicht. Aber unter den Efeu-Ranken, die auch \u00fcber den Boden wuchsen wie Lianen, konnten wir gro\u00dfe Steine erkennen, die einmal einen Weg gebildet hatten. Vorbei an einem winzigen, verfallenen Fachwerkh\u00e4uschen stiefelten wir in eine Wildnis, die einmal ein Park gewesen war.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Begleitet von einer v\u00f6llig vernachl\u00e4ssigten Buchsbaumhecke, zerschrammt durch den Kampf mit Bergen von meterhohen Brombeerranken standen wir pl\u00f6tzlich auf einer kleinen Lichtung, in deren Mitte ein riesiger Kirschbaum residierte und mit seinen tief h\u00e4ngenden Zweigen fast die hoch gewachsene Wiese ber\u00fchrte.<\/p>\n<p>Die Lichtung, auf der sich noch heute die B\u00fchne befindet, war umgeben von undurchdringlicher Wildnis und im Hintergrund begrenzt durch die beiden riesengro\u00dfen Eiben, zwischen denen sich eine alte Laube befand, die man von der Wiese aus gut sehen konnte. Hier \u2013 hier musste es sein, hier sollte das Theaterwunder stattfinden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>GESCHICHTEN IN VIELEN FARBEN<\/strong><br \/>\nWir standen einfach nur da und jeder von uns hing seinen eigenen Fantasien nach. Durch alle drei K\u00f6pfe liefen verschiedene, vielleicht auch \u00e4hnliche Bilder, sie rasten, flogen und \u00fcberschlugen sich. Denn der Garten sprach zu uns in seiner ganz eigenen verzauberten Sprache. Die Wiese bev\u00f6lkerte sich mit Gestalten, die tanzten, sangen und Geschichten erz\u00e4hlten \u2013 dramatische und komische Geschichten vom Leben, von der Liebe und dem Tod, Geschichten in allen Farben, in allen nur erdenklichen T\u00f6nen und mit unglaublich viel Bewegung. Der Garten verlangte danach, bespielt zu werden, und wir drei standen da und wussten das sofort. Das Projekt wurde geboren. Von da an musste unfassbar viel organisiert, aber auch fantasiert werden. Eine kleine Trib\u00fcne wurde geliehen mit 80 Pl\u00e4tzen \u2013 wir konnten uns nicht wirklich vorstellen, dass jemals so viele Menschen diesen versteckten Ort aufsuchen w\u00fcrden, um dort Theater anzuschauen. Ein Weg wurde gerodet und die Wiese gem\u00e4ht. Dank der Kreissparkasse bekamen wir das erste Geld!<\/p>\n<p><strong>VENUS, ADONIS UND DER EBER<\/strong><span class=\"Apple-converted-space\"><strong>\u00a0<\/strong><br \/>\n<\/span>Ein St\u00fcck musste gefunden werden. Ein archaisches Urst\u00fcck sollte es sein, das aus dem Garten geboren war, die Wurzeln des Menschseins zum Thema hatte und den Theatergarten in ein Paradies verwandeln w\u00fcrde. Peter kam auf Shakespeares Sonett \u201eVenus und Adonis\u201c. Von da an \u00fcbernahmen Christiane und Peter die k\u00fcnstlerische Arbeit.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der Text wurde teilweise \u00fcberarbeitet, dann galt es, die Schauspieler zu finden. In der lokalen Theaterszene kannte niemand diesen Garten, niemand wollte f\u00fcr so wenig Gage spielen, niemand konnte sich vorstellen, aus diesem Gedicht ein abendf\u00fcllendes St\u00fcck zu machen. Aber irgendwann war das Team komplett. Wir forschten und schufteten. Es war von Anfang an unser Anspruch, die Wahrhaftigkeit und Perfektion in der Bewegung zu suchen. Umgeben von der Lebendigkeit des Gartens, befanden wir uns eigentlich mitten in Schillers Gedanken \u00fcber das Bewusstsein der brennenden Kerze auf der B\u00fchne. Der Wind im Garten spielte mit den B\u00e4umen, die V\u00f6gel h\u00f6rten nicht auf zu fliegen, und jede Bewegung eines einzelnen Zweiges auf der B\u00fchne war in ihrer Wahrhaftigkeit perfekt, war rein und durchl\u00e4ssig schlechthin. Kein Vogel, der w\u00e4hrend einer Szene \u00fcber die B\u00fchne flog, musste um die Wahrheit und Perfektion seines Fl\u00fcgelschlags k\u00e4mpfen \u2013 er flog einfach nur. H\u00e4tte der Vogel mit der Bewegung seiner Fl\u00fcgel gelogen, ob aus Unf\u00e4higkeit, Eitelkeit, Narzissmus, oder falschem Anspruch an die Kunst&#8230; w\u00e4re diese Bewegung nicht wahr gewesen, dann w\u00e4re er vom Himmel gefallen.<\/p>\n<p><strong>IM EINKLANG MIT DER NATUR<\/strong><br \/>\nWir k\u00e4mpften um die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Intensit\u00e4t und Ehrlichkeit in der Theaterkunst im Einklang mit den Ma\u00dfst\u00e4ben des Gartens und im Widerspruch mit dessen Nat\u00fcrlichkeit. Denn nur die Wahrheit in der absoluten K\u00fcnstlichkeit konnte mit dem Atem der uns umgebenden Natur Schritt halten. Der Garten war unsere Muse, unser Lehrer \u2013 und unser Gegner. Und der Garten nahm uns mit offenen Armen auf. Er schien begeistert von den verr\u00fcckten Gestalten, die sich pl\u00f6tzlich seiner Sch\u00e4tze bedienten. \u201eVenus und Adonis\u201c und der Garten wurden zum Geheimtipp des Sommers 1991.<\/p>\n<p>Im Winter nach diesem ersten Sommer machten wir eine sehr gute Produktion im Scala. Aber dem St\u00fcck fehlte der Zauber, ihm fehlte der Garten. Irgendwann nach diesem Winter a\u00dfen wir drei <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <\/span>zusammen eine Pizza und dachten: Warum verlassen wir uns nicht ganz auf den Garten, stecken unsere ganze Kraft nur in dieses Projekt und machen es richtig gro\u00df? Der Plan war zaghaft und wir noch voller Zweifel. Den ganzen Winter und das Fr\u00fchjahr wollten wir unsere Kraft und unser Wissen zur Vorbereitung und zum Proben nutzen und im Sommer den Garten f\u00fcr die Ernte \u00f6ffnen \u2013 Sommer f\u00fcr Sommer auf der Jagd nach der Einzigartigkeit. Jahr f\u00fcr Jahr gingen wir flei\u00dfiger an die Arbeit. Nie h\u00e4tten wir damals gedacht, dass es unser Werk 25 Jahre sp\u00e4ter noch geben w\u00fcrde. Aber in jedem Sommer wurden mehr und mehr Menschen darauf aufmerksam und bald auch die Menschen, die \u00fcber die erste F\u00f6rderung hinaus das Projekt finanzieren wollten. Von da an war die Stadt Ludwigsburg und das Land Baden-W\u00fcrttemberg mit im Gartenboot.<\/p>\n<p><strong>DER GARTEN LIESS UNS NIE IM STICH<\/strong><br \/>\nDer Garten lie\u00df uns nie im Stich. Durch seine Lebendigkeit und die damit verbundenen st\u00e4ndigen Ver\u00e4nderungen forderte er uns heraus! Eine Herausforderung, die wir annahmen, um unseren urspr\u00fcnglichen Theaterzielen immer mehr Verwirklichung zu erm\u00f6glichen. Als im Jahr 1999 der Sturm Lothar sowohl die kleine Laube zwischen den Eiben als auch etliche B\u00e4ume dem Erdboden gleich machte und dadurch eine zweite \u201eLichtung\u201c entstand, machten wir aus der Freifl\u00e4che das Kindertheater. Auf diese Weise haben wir nicht nur all die Jahre \u00fcberlebt, sondern sind immer aneinander gewachsen: der Garten, die Theaterkunst und wir. Wir waren oft bedroht und dachten, es w\u00fcrde jemand den Garten und das Theater allen anderen G\u00e4rten gleich machen wollen. Mit ein paar Waschbetonplatten, Springbrunnen, Kieswegen und pflegeleichtem Immergr\u00fcn w\u00e4re das schnell m\u00f6glich gewesen. Aber all die Jahre ist die Liebe der Zuschauer zum Theatergarten mit gewachsen, so dass seine Existenz inzwischen in den Herzen aller Stadt- und Kreisbewohner angekommen zu sein scheint.<\/p>\n<p>Wir mussten das Theater und den Garten jahrelang sch\u00fctzen, gie\u00dfen und d\u00fcngen, so dass die Fr\u00fcchte, die dort gewachsen waren, jeden Sommer von allen Menschen geerntet und genossen werden k\u00f6nnen. Diese Fr\u00fcchte schmecken salzig, s\u00fc\u00df und w\u00fcrzig, bitter nach Luft und Liebe, nach Leben und Sommer und machen die Menschen manchmal f\u00fcr ein paar Stunden gl\u00fccklich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Garten zum Theater\u00a0 ALLER ANFANG UND \u2026KEIN ENDE von Christiane Wolff Eigentlich schlummerte das Theater schon im Garten, das&#8230; <span class=\"read-more\"><a href=\"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/11174-2\/\" class=\"button button-darkgray small\"> Continue Reading &rarr; <\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/11174"}],"collection":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11174"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/11174\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11185,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/11174\/revisions\/11185"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11174"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}