{"id":11176,"date":"2024-06-04T16:05:36","date_gmt":"2024-06-04T16:05:36","guid":{"rendered":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/?page_id=11176"},"modified":"2024-06-04T16:05:36","modified_gmt":"2024-06-04T16:05:36","slug":"raetselhaft-grotesk-banal-und-zauberhaft-zugleich-peters-welt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/raetselhaft-grotesk-banal-und-zauberhaft-zugleich-peters-welt\/","title":{"rendered":"R\u00e4tselhaft, grotesk, banal und zauberhaft zugleich &#8211; Peters Welt"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"font-size: 18pt;\">Peters Welt<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"font-size: 14pt;\">R\u00e4tselhaft, grotesk, banal und zauberhaft zugleich.<\/span><\/strong><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">von Hans Peter Milling<\/span><\/p>\n<p>Auf dem Weg durch die Schlo\u00dfstrasse, ich hab\u2019s eilig \u2013 mein Ziel, der Cluss-Garten. Ich bin etwas sp\u00e4t. Vorbei am Scala werfe ich ganz kurz einen Blick auf die Kinoreklame. Dann rechts einbiegen. Geschafft! Ich stehe im Biergarten, doch mein Freund ist noch nicht da. Oder schon wieder weg? Warten, verschnaufen . . . Als er nicht kommt, auch nach zehn Minuten nicht, bin ich erst mal sauer und gefrustet \u2013 was jetzt?<\/p>\n<p>Ich stehe unter den hohen B\u00e4umen und ertappe mich dabei, wie ich an den Bretterbuden vorbei,<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>nach hinten schlendere, dorthin, wo der Garten ist und das Theater agiert. Hier wirkt Peter Kratz zusammen mit Christiane Wolff seit 25 Jahren, von 1991 bis 2002 als Schauspieler und ab 1998 dann auch in der Regie. Ich sehe an den B\u00e4umen h\u00e4ngende witzige, teilweise groteske Fotos von Theaterszenen. Meine Stimmung beginnt ich zu ver\u00e4ndern, je weiter ich in den Theatergarten vordringe. \u00c4rger und Stress verfl\u00fcchtigen sich. Hier beginnt eine andere Welt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Der kleine Pfad macht, direkt nach dem alten Kassenh\u00e4uschen, einen Rechtsbogen und dann sehe ich rechts die steil ansteigenden Zuschauerreihen und davor die B\u00fchne mit den Kulissen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ja, das ist sie, Peters Welt. R\u00e4tselhaft, grotesk, banal und zauberhaft zugleich. Ich werde neugierig. Was soll die Badewanne mitten auf der B\u00fchne, was der Galgen, der aus dem gr\u00fcnen Dickicht ragt, was die f\u00fcnf T\u00fcren im Hintergrund? Ich erkenne deutlich: Peters Phantasie. Seine Einf\u00e4lle und die F\u00e4higkeit die B\u00fchnenbilder in die Energie dieses Naturgel\u00e4ndes<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>&#8211; Geb\u00fcsch, B\u00e4ume, Dickicht \u2013 einzupassen sind unnachahmlich. Ich wei\u00df, dieses St\u00fcck m\u00f6chte ich sehen! Schon jetzt bin ich \u2013 ohne jedes gespielte Theater &#8211;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>v\u00f6llig entr\u00fcckt, weg aus dieser Stadt, aus diesem Ludwigsburger Alltag.<\/p>\n<p>Die \u201eErfolgsstory\u201c des Fl\u00fcchtlingskindes Peter begann in der wahnsinnig aufregenden Weltstadt Schwieberdingen (als Peter das erz\u00e4hlt muss er herzergreifend g\u00e4hnen, was er jedoch nicht als Affront gegen die Einwohner verstanden wissen will). Den erlernten Beruf als Elektriker hat er schon vor sehr langer Zeit an den Nagel geh\u00e4ngt. Er wurde also keineswegs \u201eneben der Steckdose entdeckt\u201c, sondern ist \u00fcber einige \u201eUmwege und Sackgassen\u201c beim Theater gelandet. Die erste Station war Mitte der Achtziger die W\u00fcrttembergische Landesb\u00fchne Esslingen. Eine Dramaturgin sah ihn auf der Stra\u00dfe spielen und lud ihn prompt zum Vorsprechen ein. Es folgte ein dreij\u00e4hriges Engagement, das er heute als seine \u201eLehrjahre\u201c bezeichnet. Im Anschluss ging es<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>zu Gastspielen ans Theater in M\u00fcnchen oder Freiburg. Doch dann kehrte er der Schauspielerei erstmal den R\u00fccken zu und widmete sich den verhei\u00dfungsvollen Anf\u00e4ngen einer Fernsehkarriere. Nach seiner Scala-Show \u201eKennen Sie mich?\u201c waren die \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehsender der Rebublik auf ihn aufmerksam geworden und er wurde zu zahlreichen Pilotsendungen bei WDR, BR, SDR oder SWR eingeladen, um dort als Moderator f\u00fcr Unterhaltungssendungen auf Herz und Nieren gepr\u00fcft zu werden. Doch das Format \u201enetter Schwiegersohn von nebenan\u201c entsprach \u00fcberhaupt nicht seiner Vorstellung von Kreativit\u00e4t und Fantasie.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Also machte er sich im Sommer lieber auf mit seinem damaligen Freund Thomas Rothacker als Steppt\u00e4nzer und Entertainer durch Sizilien zu tingeln, um dort eine ganze Reihe unvergesslicher Momente zu erleben. Aber je mehr er sich dem Entertainment<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>verschrieb, desto gr\u00f6\u00dfer wurde der Wunsch seine Schauspielltexte nicht nur zu Stimmst\u00e4rkung dem thyrrenischen Meer entgegen zu br\u00fcllen (was ich gerne miterlebt h\u00e4tte). Und nicht unerw\u00e4hnt bleiben darf seine anarchistische Theaterphase, als er mit zwanzig Jahren zusammen mit seinem Jugendfreund Andy als \u201eMax und Erwin\u201c durch die Lande zog (jener Andreas Klaue, der auch jetzt im Theatersommer wieder mit von der Partie ist und mit dem ihm bis heute eine tiefe k\u00fcnstlerische Seelenverwandschaft verbindet). Und die \u201eStory\u201c w\u00e4re v\u00f6llig unvollst\u00e4ndig ohne die Stipendiats &#8211; Jahre bei<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Prof. David Esrig in M\u00fcnchen oder die mehrj\u00e4hrigen \u201eMovement Studies\u201c bei Amos Hetz aus Israel zu erw\u00e4hnen, die Peter ganz entscheidend in seiner Arbeit als Schauspieler und Regisseur vorangebracht haben.<\/p>\n<p>Der Theatersommer hat sich seit 1991 kontinuierlich vergr\u00f6\u00dfert; waren es zu Beginn gerade einmal 1.000 Zuschauer pro Saison, so sind es jetzt um die 17.000 \u201eSchau- und Erlebnislustlustige\u201c pro Theatersommer. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Ein derartiges Freilichttheater zu gestalten und zu leiten, stellte ihn immer wieder vor ganz neue Herausforderungen, die es zu bew\u00e4ltigen galt! All dies f\u00fchrte zu einem Theaterstil, der nicht nur in Ludwigsburg, sondern auch \u00fcberregional einen sehr guten Ruf genie\u00dft und die erfreuliche Unterst\u00fctzung<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>durch den hiesigen Gemeinderat bewirkt. Was jedoch nichts daran \u00e4ndert, dass nach wie vor f\u00fcnfzig bis sechzig Prozent der Ausgaben eingespielt werden m\u00fcssen \u2013 kein Zuckerschlecken. Wie der 1958 geborene Peter trotz Familie es schafft in den Sommermonaten 70 bis 80 Stunden pro Woche im Einsatz zu sein, ist mir ein R\u00e4tsel; das kann nur, wer seine Berufung, seinen Herzensberuf gefunden hat und lebt.<\/p>\n<p>Als ich in Gedanken versunken aus dem Garten schlendere kommt mein Freund Wolfgang<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>dann doch noch (wir hatten verschiedene Treffzeiten gespeichert); jetzt habe ich Gelegenheit ihn noch f\u00fcr den morgigen Abend zum Theaterbesuch zu \u00fcberreden. Dazu kommt es dann erst einige Tage sp\u00e4ter, weil die geplante Vorstellung wegen heftiger Regeng\u00fcsse \u201eins Wasser fiel\u201c. Diese Vorstellung \u00fcberzeugt mich erneut durch die exzellente Auswahl der Profischauspieler und den differenzierten Musikgeschmack Peters mit dem er f\u00fcr die St\u00fccke stets<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>eine sehr treffende Grundstimmung zu erzeugen vermag. Bleib uns noch lange erhalten, Peter!<\/p>\n<p><em>von Hans-Peter Milling<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peters Welt R\u00e4tselhaft, grotesk, banal und zauberhaft zugleich. von Hans Peter Milling Auf dem Weg durch die Schlo\u00dfstrasse, ich hab\u2019s&#8230; <span class=\"read-more\"><a href=\"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/raetselhaft-grotesk-banal-und-zauberhaft-zugleich-peters-welt\/\" class=\"button button-darkgray small\"> Continue Reading &rarr; <\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/11176"}],"collection":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11176"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/11176\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11177,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/11176\/revisions\/11177"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11176"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}