{"id":4747,"date":"2013-10-29T09:47:54","date_gmt":"2013-10-29T09:47:54","guid":{"rendered":"http:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/?page_id=4747"},"modified":"2024-06-28T07:36:55","modified_gmt":"2024-06-28T07:36:55","slug":"interview-ulrich-steller","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/interviews\/thema-theatersommer\/interview-ulrich-steller\/","title":{"rendered":"Gegenfrage: Was hei\u00dft denn Werktreue?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Interview mit Dr.Ulrich Steller<\/strong><br \/>\n<strong> Autor und Texter<\/strong><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #333399;\">Ulrich, Du schreibst als \u201eTextstratege\u201c viel \u00fcber Filme und entwickelst Schul-Filmhefte zu gro\u00dfen Kinoproduktionen. K\u00fcndigt man Filme anders an als Theaterst\u00fccke?<\/span><\/em><br \/>\nUlrich Steller: Grunds\u00e4tzlich sehe ich da keinen so gro\u00dfen Unterschied. Es geht um die Darstellung einer dramatischen, packenden, bewegenden Geschichte. Das gilt \u00fcbrigens selbst f\u00fcr den so genannten Dokumentarfilm. Beim Theater kommt allerdings dieses gewisse X noch dazu, das spannende Live-Element. Einen Theaterabend kann man daher streng genommen gar nicht ank\u00fcndigen! Aber nat\u00fcrlich kann man \u00fcber das St\u00fcck schreiben und \u00fcber die Gedanken, die hinter einer Inszenierung stecken.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #333399;\">Die Texte f\u00fcr die Theatersommer-Programmhefte oder Internetseiten m\u00fcssen immer schon fertig sein, bevor die Proben losgehen. Deshalb bist Du oft einer der Ersten, die eine Bearbeitung lesen und mit den Regisseuren \u00fcber ihre Ideen sprechen. Wie gelingt es, die Intention einer Inszenierungsidee so fr\u00fch in Worte zu fassen, die neugierig machen und noch Monate sp\u00e4ter Bestand haben?<\/span><\/em><br \/>\nUlrich Steller: Kein Problem, als Texter hat man einen siebten Sinn f\u00fcr so etwas (lacht) &#8230; Im Ernst, das ist durchaus eine Herausforderung. Aber eine gute Bearbeitung l\u00e4sst immer eine Handschrift erkennen, eine Richtung. So \u00e4hnlich, wie man beim Lesen eines gelungenen St\u00fccks die Figuren fast vor sich sieht und sprechen h\u00f6rt. Dar\u00fcber hinaus bin ich ja selber neugierig und stelle mir beim Schreiben Fragen, die sich die Zuschauer auch stellen. Ich kann dann immer kaum erwarten, bis ich es auf der B\u00fchne sehe.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #333399;\">Irgendwann ist es soweit und Du siehst die Inszenierung, deren Intention du mit dem Text beschrieben hast. Nehmen wir mal die diesj\u00e4hrige Inszenierung von Schillers \u201eR\u00e4uber\u201c. War das Ergebnis so, wie Du es dir vorgestellt hattest?<\/span><\/em><br \/>\nUlrich Steller: Ja und nein, es ist immer auch ein wenig \u00fcberraschend, das macht ja genau den Reiz des Theaters aus. Die \u201eR\u00e4uber\u201c sind ja ein so ergiebiges St\u00fcck und zugleich eigentlich unspielbar, au\u00dfer wenn man kreativ mit der Vorlage umgeht. Dass das geht und wie gut das geht, hat der Theatersommer ja mit Goethe und anderen Gro\u00dfen schon oft vorgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #333399;\">In den Inszenierungen des Theatersommers wird der Originaltext oft stark reduziert und auf eine Kernaussage konzentriert. Dadurch entstehen oftmals neue Handlungszusammenh\u00e4nge. In \u201eDie R\u00e4uber\u201c wurde nach der Pause zwar Schiller gesprochen, aber die szenische Struktur des Dramas l\u00f6ste sich v\u00f6llig auf. Wird da allzu leichtfertig mit der Werktreue experimentiert?<\/span><\/em><br \/>\nUlrich Steller: Gegenfrage: Was hei\u00dft denn Werktreue? Erst mal, eine Inszenierung ist eine Inszenierung, so wie ein Konzert ein Konzert ist und keine Partitur. In beiden F\u00e4llen ein einmaliges, individuelles Erlebnis, eine Interpretation, das darf und muss so sein! Au\u00dferdem ist gerade ein gro\u00dfes St\u00fcck, gro\u00dfes Theater nicht an eine Epoche gebunden. Sondern es betrifft einen Kern des Menschlichen, der bleibt g\u00fcltig. Wenn sich Moli\u00e8re f\u00fcr seinen Geizigen gro\u00dfz\u00fcgig bei Plautus bedient, vertraut er doch genau darauf. Ein St\u00fcck anzupassen bedeutet in diesem Sinne genau dies: es fruchtbar zu machen.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #333399;\">Ein Schwerpunkt des Theatersommers sind Filmadaptionen. \u201eEin Mittsommernachts-Sex-Kom\u00f6die\u201c, \u201eHimmel \u00fcber Berlin\u201c, \u201eKinder des Olymp\u201c, \u201eDown by Law\u201c, \u201eHarry und Sally\u201c oder \u201ePurple Rose of Cairo\u201c. Puristen m\u00f6gen diese Mischung von Film und Theater nicht. Funktioniert die Theatervariante von Hollywood-Kino und Filmkunst auf der Open-Air B\u00fchne in einem wildromantischen Garten?<\/span><\/em><br \/>\nUlrich Steller: Absolut! Die Kunst dabei ist nat\u00fcrlich, nicht filmische Mittel zu imitieren, sondern B\u00fchnenmittel einzusetzen. Nicht Filmschnitt, sondern Auftritte und Szenen. Nicht Kamera, sondern Spiel und Pr\u00e4senz. Leicht gesagt, aber der Theatersommer kann au\u00dfer auf viel Erfahrung einfach auf gro\u00dfartige Schauspieler bauen.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #333399;\">Ein besonderer Theatersommer-Moment, der Dir spontan einf\u00e4llt?<\/span><\/em><br \/>\nUlrich Steller: Diese Szene aus \u201eKalle Blomquist\u201c: Tante Mia als verschrobene Esoterikerin. Meine Kinder spielen das heute noch nach!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Dr.Ulrich Steller Autor und Texter Ulrich, Du schreibst als \u201eTextstratege\u201c viel \u00fcber Filme und entwickelst Schul-Filmhefte zu gro\u00dfen&#8230; <span class=\"read-more\"><a href=\"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/interviews\/thema-theatersommer\/interview-ulrich-steller\/\" class=\"button button-darkgray small\"> Continue Reading &rarr; <\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":7419,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4747"}],"collection":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4747"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4747\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11401,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4747\/revisions\/11401"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7419"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4747"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}