{"id":6208,"date":"2014-10-21T09:49:42","date_gmt":"2014-10-21T09:49:42","guid":{"rendered":"http:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/?page_id=6208"},"modified":"2024-06-28T07:37:55","modified_gmt":"2024-06-28T07:37:55","slug":"altersempfehlung-im-kindertheater","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/foerderverein-theatersommer.net\/archiv\/texte\/altersempfehlung-im-kindertheater\/","title":{"rendered":"Altersempfehlung im Kindertheater"},"content":{"rendered":"<p><strong>Warum man unsere Altersempfehlungen ernst nehmen sollte<\/strong><\/p>\n<p>Im\u00a0 Jahr 2015 wird das Kinder- und Familientheater 15 Jahre alt. Angefangen hat es mit \u201eDschungelbuch\u201c, \u201eUrmel aus dem Eis\u201c, \u201ePettersson und Findus\u201c und \u201eR\u00e4uber Hotzenplotz\u201c. Alles Produktionen, die sich prim\u00e4r f\u00fcr Kinder ab 5 Jahren geeignet haben. Erst mit dem Beginn des Schultheaters gab es St\u00fccke, die so spannend und intellektuell nicht einfach zu erfassen waren, dass die Altersempfehlung bei \u00fcber sechs Jahren lag.Von Anfang an war uns eine Altersempfehlung\u00a0 immer sehr wichtig.<\/p>\n<p>Wir leben in einer Zeit, in der auch f\u00fcr j\u00fcngere Kinder der Zugriff auf alle Medien kein Hexenwerk ist. Es gibt schon heute 5-j\u00e4hrige Kinder, die mit einem Computer mindestens so gut umgehen k\u00f6nnen wie ihre Gro\u00dfeltern. Vom Umgang mit dem Fernseher ganz zu schweigen. Und diese Kinder kommen sp\u00e4testens wenn sie schreiben k\u00f6nnen ohne die Kontrolle der Eltern in den Medien an Eindr\u00fccke heran, die ganz ohne Zweifel f\u00fcr sie nicht zu verarbeiten sind. Das mag mit ein Grund sein, warum Altersbeschr\u00e4nkungen oder Empfehlungen bei Filmen oder auch im Theater immer niedriger angesetzt werden. Die Erwachsenen trauen den Kindern aus Gewohnheit alles zu. Wahrscheinlich sitzt ein gro\u00dfer Teil der Kinder unserer Gesellschaft auch regelm\u00e4\u00dfig vor dem 20:15 Uhr Krimi, weil die Eltern sich daran gew\u00f6hnt haben.<\/p>\n<p>Bei uns im Kindertheater ist, ein Gl\u00fcck, immer noch eine v\u00f6llig andere Wahrnehmung m\u00f6glich. Alle befinden sich in einem Raum, Schauspieler wie das Publikum, denn es ist klein und \u00fcberall gleich hell &#8211; und alles passiert im Moment ganz sp\u00fcrbar nah, manchmal auch ganz laut und manchmal ganz ganz leise. Alle Zuschauer h\u00f6ren die Schauspieler atmen, sehen sie schwitzen und f\u00fchlen wie sie f\u00fchlen, alles ist einfach Realit\u00e4t so wie das Leben selbst. Vor dieser Realit\u00e4t kann sich kein Kind verschlie\u00dfen, egal wie abgebr\u00fcht es durch Bildschirmmedien ist. Diese Realit\u00e4t geht unter die Haut, l\u00f6st Distanz auf, zieht in die Geschichte und jedes Kind wird so selbst ein Teil der Geschichte. V\u00f6llig identifiziert mit der Hauptfigur lebt es f\u00fcr eine gute Stunde die Konflikte, die Probleme, die Gef\u00fchle dieser Hauptperson.<\/p>\n<p>Es gibt in allen St\u00fccken, auch in denen, die sich f\u00fcr die kleinen Kinder eignen, spannende Situationen. Das Urmel soll entf\u00fchrt werden, Findus wird vom b\u00f6sen Stier verfolgt, Seppel wird von Hotzenplotz bedroht und Mogli wird vom Tiger angegriffen. In diesen Situationen kriechen viele kleinere Kinder ihren Eltern mal\u00a0 kurz auf den Scho\u00df. Aber ohne diese spannenden Situationen funktioniert ein dramatischer Stoff nicht.<\/p>\n<p>Eine gute Geschichte braucht einen Bogen, Konflikte und Situationen, in denen die Hauptfigur wie ein Held siegen kann oder gerettet wird. Wenn es vorher keine Spannung gab, dann macht auch ein Happy End keinen Sinn! Den inhaltlichen Zusammenhang, und damit die Beziehungen und die Dramaturgie, verstehen Kinder aber erst ab einem Alter von ungef\u00e4hr sechs Jahren. Vorher nehmen die meisten Kinder Stimmungen, Bilder und Gef\u00fchle wahr aber ohne den kausalen inhaltlichen Zusammenhang zu verstehen, der diese Ph\u00e4nomene verursacht hat. Erfassen Kinder aber den Zusammenhang nicht, kann auch ein lautes freudiges Wolfsgeheul, ein Freudenschrei von Findus weil Henni ein Ei gelegt hat oder ein lautes Gute-Laune-Lied schon durchaus bedrohlich wirken und Angst und Schrecken ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p><em>Auszug aus der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK ab\u00a00 freigegeben)<\/em><br \/>\nKleinkinder erleben szenische Darstellungen unmittelbar und spontan. Ihre Wahrnehmung ist vorwiegend episodisch ausgerichtet, kognitive und strukturierende F\u00e4higkeiten sind noch kaum ausgebildet. Schon sehr spannende Szenen oder eine laute und bedrohliche Ger\u00e4uschkulisse k\u00f6nnen \u00c4ngste mobilisieren oder zu Irritationen f\u00fchren. Kinder bis zum Alter von sechs Jahren identifizieren sich vollst\u00e4ndig mit der Spielhandlung und den Figuren. Vor allem bei Bedrohungssituationen findet eine direkte \u00dcbertragung statt. Gewaltaktionen, aber auch Verfolgungen oder Beziehungskonflikte l\u00f6sen \u00c4ngste aus, die nicht selbst\u00e4ndig und alleine abgebaut werden k\u00f6nnen. Eine schnelle und positive Aufl\u00f6sung problematischer Situationen ist daher sehr wichtig.<\/p>\n<p>Ab sechs Jahren entwickeln Kinder zunehmend die F\u00e4higkeit zu kognitiver Verarbeitung von Sinneseindr\u00fccken. Allerdings sind bei den Sechs- bis Elfj\u00e4hrigen betr\u00e4chtliche Unterschiede in der Entwicklung zu ber\u00fccksichtigen. Etwa mit dem neunten Lebensjahr beginnen Kinder, fiktionale und reale Geschichten unterscheiden zu k\u00f6nnen. Eine distanzierende Wahrnehmung wird damit m\u00f6glich. Bei j\u00fcngeren Kindern steht hingegen noch immer die emotionale, episodische Impression im Vordergrund. Ein sechsj\u00e4hriges Kind taucht noch ganz in die Spielhandlung ein, leidet und f\u00fcrchtet mit den Identifikationsfiguren. Spannungs- und Bedrohungsmomente k\u00f6nnen zwar schon verkraftet werden, d\u00fcrfen aber weder zu lang anhalten noch zu nachhaltig wirken. Eine positive Aufl\u00f6sung von Konfliktsituationen ist auch hier ma\u00dfgebend.<\/p>\n<p>Wenn wir im Theatersommer den Eltern den Besuch eines Kinderst\u00fcckes erst ab 5 Jahren empfehlen, orientiert sich das an den Richtlinien der FSK. Denn wir m\u00f6chten verhindern, dass kleine Kinder unsere Kinderst\u00fccke \u201edurchhalten m\u00fcssen\u201c. Es kommt n\u00e4mlich vor, dass Eltern ihren Kindern die Augen und Ohren zu halten oder ihnen dauernd erkl\u00e4ren, dass sie eigentlich nicht sehen, was die Kinder sehen, sondern in den Kost\u00fcmen Schauspieler stecken, die ja nur spielen, was die Kinder so ergreift und dass alles, was die da spielen nicht echt ist. Letzteres ist das Schlimmste, was passieren kann, wenn zu kleine Kinder von ihren Eltern \u00fcber Theater aufgekl\u00e4rt werden, damit sie einen Abstand aufbauen k\u00f6nnen, um es auszuhalten. Denn dieser Vorgang macht das Ziel des Theaters kaputt, macht die erste Theatererfahrung zu einer schrecklichen Erfahrung ohne jeglichen Sinn.<\/p>\n<p>Deswegen bitten wir unser Publikum, unsere Altersempfehlungen ernst zu nehmen und die Kinder, die zu klein sind, nicht mitzubringen, auch wenn das f\u00fcr manche Familien m\u00fchsam ist. Diese Bitte betrifft auch alle Babys. Babys bekommen von den Vorstellungen nur den L\u00e4rm mit und haben \u00fcberhaupt nichts vom Besuch eines Kinderst\u00fcckes.<\/p>\n<p>Christiane Wolff<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum man unsere Altersempfehlungen ernst nehmen sollte Im\u00a0 Jahr 2015 wird das Kinder- und Familientheater 15 Jahre alt. 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